Gewinner Kleinkunstpreis Baden-Württemberg

 

2018


Presse:

5. September 2015

Rhein-Neckar-Zeitung

 

Clownerie, wie man sie sich wünscht

 

Ein Abend ohne Worte

Walldorf: Kurz vor halb neun am vergangenen Mittwochabend beim Walldorfer Zeltspektakel. Vor dem Zirkuszelt an der Reservistenhütte bildet sich eine lange Schlange. Ein Stimmengewirr, die Menschen sprechen miteinander, natürlich. In der Regel tun das die Künstler, die hier in der Manege auftreten, auch. Aber nicht heute. Denn heute sind "Habbe & Meik" mit ihrem Progamm "The Best" zu Gast. Maskentheater. Ohne Worte.

Nicht wenige der knapp 170 Zuschauer wissen noch nicht so recht, was sie erwartet, aus vielen Gesprächen hört man nur vage Vermutungen heraus. Als die Vorstellung beginnt, gestaltet sich tatsächlich schon der Auftritt der Künstler außergewöhnlich. Zwei seltsam anmutende Touristen, mit Landkarte und Koffern bewaffnet, bahnen sich ihren Weg durchs Publikum; und das im ganz wörtlichen Sinne, denn sie suchen keine Durchgänge, sondern steigen über die Stühle und Köpfe erstaunter Zuschauer hinweg, bis sie sich irgendwann mit einigen Umwegen bis zur Manege durchgeschlagen haben.

Seltsam anmutend deshalb, weil ihre Gesichter nicht echt, sondern Maskerade sind. Hinter den Masken verbergen sich Hartmut Ehrenfeld und Michael Aufenfehn, die beiden sind ausgebildete Mimen, haben in Essen Maskenspiel und Maskenbau studiert, schon seit 1986 sind sie gemeinsam unterwegs.

Besagte Masken lassen sich mit "skurril" vermutlich am besten beschreiben. Sehr groß natürlich, die "Mimik" - wenn auch statisch - muss schließlich zu erkennen sein; die beiden Gesichtshälften drücken jeweils unterschiedliche Stimmungen aus. Sie faszinieren, es ist ein irrer Anblick, der einen kaum loslässt, ein bisschen gruselig auch, wenn man mal ehrlich sein will, aber vor allem urkomisch.

Was das Publkum natürlich nicht mitbekommt, tatsächlich ist die Lichttechnik im Zelt an diesem Abend ganz besonders gefordert. Noch nie werden die Veranstalter hinterher sagen, hätten Künstler derart viele, derart fein differenzierte Lichteinstellungen gewünscht wie die beiden heutigen Protagonisten. Selbstverständlich wird da eine ganz bestimmte Wirkung inszeniert, die die Masken beim Zuschauer erzielen sollen. Aber auch wenn die Masken natürlich im Mittelpunkt stehen, sie tragen die Show nicht allein, die Gestik der Akteure, ihre Art zu gehen, sich zu bewegen, all das trägt maßgeblich zur Komik bei, die da in der Manege entsteht. Natürlich ist es viel Slapstick, klar, Clownerie eben, aber es hat schon was, wie die zwei agieren, ist die ganze Zeit über unterhaltsam, ist witzig, ist ebenso skurril wie die Masken.

Es ist kein durchgängiges Stück, das " Habbe & Meik" da präsentieren, es sind verschiedene Einzelszenen, fünf an der Zahl. Am Ende werden es etwas mehr als eineinhalb - für die beiden zweifellos sehr anstrengende - Stunden sein, die sie in der Manege stehen. So richtig zu beneiden sind sie unter ihren Masken sicher nicht.

Ja, und welches Fazit lässt sich also ziehen? Wenn Menschen nach einer Vorstellung "floskeln", das sei jetzt "mal was anderes" gewesen, dann versuchen sie damit in aller Regel etwas Nettes zu sagen, obwohl der Abend eigentlich nicht ihr Fall war. Aber diesen speziellen Abend trifft dieser Ausdruck ausnahmsweise auf den Punkt. Es war mal etwas anderes, völlig anders sogar. Clownerie, wie man sie sich wünscht. Ohne Worte eben.

 

30. März 2015

Kehler Zeitung

 

Ein Programm zum Schlapplachen

 

Plötzlich tauchen sie aus dem Nichts auf. Mit aufgeschlagener Karte bahnen sich zwei polternde Reisende samt Koffer und Rucksack den Weg durch die Zuschauerreihen, klettern über Stühle, schlendern nach vorne und wieder zurück, treiben Schabernack mit dem Publikum. In einem schier artistischen Kraftakt erklimmen sie schließlich die Bühne - der Abend in der Kehler Stadthalle ist eröffnet.

Großartiges Maskentheater gab es mit Habbe & Meik. Mit visueller Comedy und herzerfrischender Maskenclownerie gelang es ihnen, der Puppenparade in Kehl einen letzten humorvollen Höhepunkt zu geben. Aus den besten Nummern ihrer Programme hatten die "Meister des maskierten Lachens" ein kurzweiliges Potpourri zusammengestellt, das jede Altersgruppe ansprach. Sprachbarrieren gab es ohnehin nicht. Ihre einfachen Geschichten basieren auf einer schlichten Dramaturgie gepaart mit beeindruckender Körperbeherrschung.

Da ist etwa der Handwerksbursche und sein Meister, die sich mit allerlei Verrenkungen aus der Umklammerung einer Klappleiter zu befreien versuchen. Hinter dem Lachmuskel zerrenden Slapstick steckte nicht zuletzt Akrobatik in Perfektion. Bei aller Aktion auf der Bühne richten sich die Blicke allerdings immer wieder auf die ausdruckstarken Masken von Habbe & Meik.

Die langnasigen oder verschmitzt schauenden Maskenköpfe sind eigenlich starr, doch werden sie so virtuos in Szene gebracht, dass man meint, darin eine lebendige Mimik zu erkennen - ein belustigender und erstaunlicher Effekt zugleich. Doch ganz still ging es auf der Bühne nicht zu: Zwischendurch gab es kleine musikalischen Einlagen und Duelle der grotesken Art wie das mit Fahrradklingel und Mandoline von einem wackeligen Brett aus angestimmte "Freude schöner Götterfunken". Turbulent ging es ohnehin zu. Mit einfachen Requisiten entfaltet das quirlige Mimen-Duo die unterschiedlichsten Charaktere. Ohne Worte werden dabei menschliche Schwächen und Alltagssituationen in bühnengerechte Sketche verarbeitet. Rührend und mit zahlreichen witzigen Details gespickt, wird etwa die unschuldige Begegnung eines Buben und Mädchens auf einer überdimensionierten Parkbank inszeniert. Da dürfen Sandkuchen und Holz - Roller nicht fehlen. Herrlich war das pantomimische "Pullern" in den Sandeimer des blutjungen Pärchens, das dem Publikum wahre Lachsalven entlocken konnte.

Auch wenn die Vorstellung als Familienprogramm gedacht war - zwischendurch tendierten die komischen Slapstick - Einlagen des Maskenduos doch etwas in Richtung Erwachsenenhumor wie bei der melancholischen Episode mit dem lebendig gewordenen Federbett. Zum Schluss zeigte sich aber jedermann vom Maskenhumor rundweg begeistert, so dass nach dem Finale der große Beifall vorprogrammiert war. Natürlich konnte man vorher nicht erahnen, dass die tosenden Ovationen von den Akteuren zweckentfremdet und letztlich in ein improvisiertes Klatsch - Orchester verwandelt wurden.

 

 

 


Umwerfende Situationskomik

 

Bei Habbe & Meik ist ein ausverkauftes Haus Programm.

"Man könnte das jetzt noch mal genau so spielen und die Leute würden wieder genau so lachen,"

meint Thomas Ries, Vorstand des Kleinkunst - Vereins Willi die Bühne, in der Pause amüsiert.

Tatsächlich bricht das Publikum bereits beim Anblick der Masken in Gelächter aus. Und wenn Habbe und Meik sich dann noch, mit Landkarte und unhandlichem Gepäck bewaffnet, den Weg über die Zuschauerränge bahnen, gibt es kein Halten mehr. Das liegt zum einen an der Situationskomik, die die beiden spielend herbeiführen, zum anderen aber an den kartoffelnasigen Gesichtern, die, je nach Gesichtshälte und Beleuchtung, ein humoriges Mienenspiel bieten.

Mit viel Liebe zum Betail nehmen sie menschliche Verhaltensweisen ins Visier. Ein herrlich komisches Gerangel...90 Minuten wortlose Kosmik, die auch im Rückblick noch ein Schmunzeln auslöst. (Susanne Maske)

 

Meppen am 11. Januar 2015

Lebendiges Maskentheater

 

Habbe und Meik begeisterten Publikum - Mime ohne Bühnenbegrenzung

 

Die "Tücke des Objekts" und die Auseinandersetzung mit Materie, menschlichen Befindlichkeiten und Situationen durchzogen dann auch die abwechslungsreichen nie vorhersagbaren und bis ins kleinste Detail brilliant ausgespielten Szenen.

Koffer, Leiter, Brett und selbst eine Bettdecke entwickelten ein verblüffendes Eigenleben. In akrobatischer Vollendung bedienten sich die beiden der physikalischen Gesetzmäßigkeiten, um die Schwerkraft dadurch außer Kraft gesetzt erscheinen zu lassen.

Handwerklicher Einfallsreichtum und Ungeschicklichkeiten hielten das Publikum ebenso in Atem wie eine entzückend anrührende Kinderszene vor einer überdimensionierten Parkbank am imaginären Sandkasten. Habbes Zubettgehen wurde als absoluter Überraschungseffekt zum "Pas de deux" mit der höchst eigenwillig amtierenden Bettdecke. Die sich als Tonleiter offenbarenden neuen Sprossen einer metallenen Stehleiter bereicherten die muskialischen Darbietungen mit fantasievoll gestalteter Instrumentierung. Bis in Dirigat des Applauses hatten die beiden ihr Publikum im Griff, und dieses ließ sich höchst vergnügt darauf ein.

Entzieht das Tragen von Masken der Mime den Anteil der Mimik, so vervollkommnen diese bei Habbe und Meik jedoch gerade die Ausdrucksstärke ihrer Körpersprache, denn die selbstgestalteten Masken zeigten je nach Profilseite unterschiedliche Ausdrucksformen. Einerseits lächelnd, andererseits miesepetrig, einerseits neugierig,  andererseits melancholisch und vielseitig und facettenreich, wie das ganze Programm.

 


Staufen, Kulturwoche im Spiegelzelt.

10. Oktober 2012

 

Voller Einsatz ohne Worte

 

Habbe & Meik eröffneten mit "La grande comédie des masques" die Staufener Kulturwoche.

Charlie Chaplin, Dick und Doof, Väter der Klamotte – zu Zeiten hochtouriger Actionkomödien scheint ihr Witz längst kalter Kaffee. Vom Gegenteil überzeugten jetzt Hartmut Ehrenfeld und Michael Aufenfehn vom international ausgezeichneten Duo "Habbe & Meik", die mit ihrem Programm "La grande comédie des masques" die 25. Staufener Kulturwoche im historischen Spiegelzelt eröffneten. Und dabei unter vollem Körpereinsatz eine Clownshow der Extraklasse boten: mit viel Slapstick, Akrobatik und Musik – aber ohne ein Wort. 

Dass die beiden Diplompantomimen der Folkwang-Hochschule eine Affinität zum Straßentheater haben, bekommt das Publikum gleich am eigenen Leib zu spüren, als zwei Hanswürste mit Koffern und Landkarte quer über die Sitzreihen pflügen und dabei auch Zuschauerköpfe souverän als Kletterhilfe nutzen. Ihre Masken sind faszinierend: groteske Karikaturen, die, in eine ernste und fröhliche Gesichtshälfte geteilt, zwar schief aussehen, aber je nach Beleuchtung und Situation eine facettenreichen Ausdruckskraft entwickeln. Ein ganzes Typenpanoptikum haben die beiden Künstler im Gepäck, ein bisschen unterbelichtet sind ihre, mit Knopfaugen, Henkelohren und Kartoffelnasen ausstaffierten Figuren aber alle. Denn hier geht’s klassisch um die Poesie des Scheiterns in seiner Alltagsabsurdität – und damit um menschliche Schwächen, mit Herz und beeindruckender Körperpräzision auf die Bühne gebracht.

 

Da sind die beiden Spielplatzsteppkes: Sie schlenkert auf der überdimensionierten Parkbank schnippisch mit den Beinen, während er erfolglos versucht mit Sandkuchen und Rollerkünsten zu imponieren. Klar, gibt’s bald handfesten Streit, aber auch Versöhnung, Spaß und Spiel. Eine harmlose Szene, so genau beobachtet und pantomimisch umgesetzt, dass gerade aus dem Wiedererkennungswert eine umwerfende Situationskomik entsteht. Skurril wird es bei dem Mann, dessen Bettdecke zum Leben erwacht und ihn mit leidenschaftlichen Annäherungsversuchen umwickelt.

 

Herrlich blöd die beiden Musiker, die sich bei ihren Dominanzquerelen unter einer Klappleiter in immer neuen Variationen verknoten und verheddern, bis sie schließlich in luftiger Höhe doch noch ein Ständchen mit Akkordeon und Waschbrett geben. Latte, Leiter, Meterstab – es sind schlichte Requisiten, die Hartmut Ehrenfeld und Michael Aufenfehn als Akrobatik-Equipment für ihre halsbrecherischen Fehltritte und hirnrissigen Aktionen nutzen. Der Witz freilich ist so anarchisch wie zeitlos: 90 Minuten beste Familienunterhaltung!

 


Die Rheinpfalz

26. März 2014

 

Ohne Worte, aber mit Landkarte

 

Beifallstürme für Habbe & Meik

 

Unter Beifallstürmen und Lachtränen des Publikums haben Habbe und Meik am Freitagabend das Speyerer Kulturbeutel Festival eröffnet.

Im Laufe des ganzen Abends zeigte sich die Stärke der Komik ohne Worte vor allem in der gelungengen Ausarbeitung der Charaktere und damit auch Gegensätze des Duos. Für Begeisterungsstürme sorgte die musikalische Einlage.